Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.
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Dritter Reisebericht aus Bucov: Tatkräftige Unterstützung durch ProDog-Team

Einer der vielen Hunde, die man mitnehmen möchte.Einer der vielen Hunde, die man mitnehmen möchte.10. August 2017

Derzeit befindet sich unsere 1. Vorsitzende Sandra Gulla auf ihrer vierten Tierschutzreise im rumänischen Ploiesti. Was sie während ihrer zweiten Woche vor Ort gemeinsam mit den Tierschutzkolleginnen und weiteren Helfern im Hundelager Bucov erreicht hat, erfahren Sie in ihrem dritten Reisebericht.

 

 


 

Am Samstag haben wir nach der Arbeit im Hundelager den zweiten Adoptionstag von Aniela Ghita besucht. Zunächst hatte ich es nicht richtig begriffen und dachte, der Adoptionstag fände im Hundelager statt. Viel besser war aber, dass der Adoptionstag im öffentlichen Park vor dem Zoo, der an das Lager angrenzt und für den auch Direktor Sandu verantwortlich ist, veranstaltet wurde. Hier kommen am Wochenende sehr viele Besucher und Besucherinnen hin.

Aniela Ghita wurde bei der Standarbeit von Radu und Elena, zwei rumänischen Tierschützern, unterstützt. Einige Welpen fanden auch ein Zuhause, genauso wichtig war aber die Aufklärung über die Situation der Hunde in Ploiesti und im Hundelager und über das wichtigste Thema: die Kastration von Hunden. Ich saß nur erschöpft auf einer Bank neben dem Stand und beobachtete das Treiben. Es ist klasse zu sehen, wie immer mehr kleine Pflänzchen entstehen.

Nach und nach sind weitere tolle Helfer zu uns gestoßen. Am Samstagmorgen lernte ich bereits Patrizia, die neue Schatzmeisterin von ProDogRomania, im Lager kennen. Ich konnte ihr bei ihrem ersten Besuch in Bucov zur Seite stehen. Ich finde es toll, dass sie sich vor Ort informiert und ich meine auch, man muss vor Ort sehen, was man tut, sonst kann man die Entwicklungen nicht wirklich bewerten und steuern. Wir haben aber auch nicht nur beobachtet, sondern auch gearbeitet und am Sonntag mit einer Grundreinigungstour der Wassertröge begonnen.

Damit haben wir Aktivität bei den Arbeitern ausgelöst und so wurden nicht nur von uns am Montag weitere Tröge gereinigt, sondern auch einige Arbeiter nahmen dies in ihr Arbeitsprogramm auf. Nach welcher Logik die Aktivitäten im Lager erfolgen, verstehe ich noch nicht. Aber so oder so fand ich es toll, dass auch das Reinigen der Tröge nun Gestalt annahm.

Am Sonntagabend kamen neben Anna Langhammer, der 1. Vorsitzenden von ProDogRomania, und ihrer Kollegin Katja auch Manon und Klaus mit ihrer Tochter Lynn und ihrer Nichte Helen an. Klaus zeigte ich am Montagmorgen, dass an einem der Hundewagen zwei Reifen platt waren und eine Wasserkarre hatte auch kaputte Reifen. Tagelang hatte ich niemanden im Hundelager dafür begeistern können, mir bei der Reparatur ernsthaft zu helfen. All meine verbalen und nonverbalen Hinweise in Richtung der Arbeiter, mir doch bei meinem hilf- und planlosen Gefummel an den Reifen zu helfen, waren unerhört verpufft. Es zeigte sich: Klaus ist ein Mann der Tat. Er schaute, was zu besorgen war, suchte sich Unterstützung bei den Arbeitern und flotter als man schauen konnte, wurden vier neue Reifen bei einem Reifenhandel gekauft. Mit Unterstützung eines Vorarbeiters, der nun deutliches Interesse zeigte, dabei zu unterstützen, wurden die neuen Reifen aufgezogen und im Nu waren Wasserkarre und Hundewagen repariert.

Mit Manon hatte die Reinigungsaktion der Wassertröge eine toughe Unterstützung gefunden.

Gleich zwei Erfasser-Teams, Anna und Katja sowie Cindy und Lynn, arbeiteten nun Kennel für Kennel durch und erfassten die vermittlungsfähigen Hunde. Anna und ich haben die gleiche Auffassung, nämlich die, dass nicht jeder Hund erfasst werden sollte. Es gibt Hunde, für die die Reise nach Deutschland eine Tortur wäre. Und damit meine ich nicht nur den alten Kerl, sondern alle Hunde, die sich in Gesellschaft des Menschen überhaupt nicht wohlfühlen und denen wir so viel Zwang antun müssten, um sie ausreisefähig zu machen und die dann eine ganz besondere Herausforderung für die aufnehmenden Menschen sind. Mir ist das auch über die Jahre in Bucov klarer geworden.

Wir retten nicht alle, Punkt. Und ich suche dann lieber die, die sich nach dem Menschen sehnen, die mir hinterherschreien mit ihren Stimmen oder mit ihren Augen. Nicht mal die können wir alle retten. Mein Traum für die Hunde, die Angst vor dem Menschen haben und sich besser ohne unsere Anwesenheit fühlen: große Gehege, in denen sie nach ihrer Weise mit anderen leben können. Sollte mal irgendwann das Gesetz in Rumänien wieder geändert werden, können diese Hunde, nachdem sie kastriert wurden, ein unabhängiges, wenn auch hartes Leben auf den Straßen führen. Ich bin oft traurig darüber, dass ihnen ihre Unabhängigkeit genommen wurde. Sicher ist es aber auch eine Frage der eigenen Wertmaßstäbe: Ich ziehe auch für mich die Unabhängigkeit mit der Folge der Sorge für mich selbst jeder Form der Abhängigkeit vor.

Am heutigen Dienstagmittag stand unser Treffen mit dem Vizebürgermeister und mit Direktor Sandu, der für Zoo und Hundelager verantwortlich ist, auf dem Programm. Begleitet wurden wir von den rumänischen Tierschützerinnen Mihaela Teodoru und Aniela Ghita und der Tierärztin Catalina. Anna Langhammer stellte mit einem Finanzreport das Engagement von ProDogRomania in Bucov vor. Lesen Sie gerne auch ihren Bericht vom heutigen Tag.

Wir lobten die positiven Entwicklungen in Bucov und wiesen auf weitere Verbesserungsnotwendigkeiten hin. Um konkrete Maßnahmen zu besprechen, baten wir Direktor Sandu um einen gemeinsamen Rundgang im Lager. Dieser Bitte kam er nach und so sind wir morgen (Mittwoch) früh um 9 Uhr zum gemeinsamen Rundgang in Bucov verabredet. Es ist für uns von großem Vorteil, auch einfach bei so einer Aktivität von allen Beschäftigten im Lager, Arbeitern, aber auch vom Verwaltungspersonal, gesehen zu werden. Die Bereitschaft, uns bei der Arbeit zu unterstützen, steigt damit schon spürbar an, so konnte ich es jedenfalls im letzten Jahr deutlich vernehmen.

Wir stellten Fragen zu dem Tötungslager Campina und merkten: Wir stellen die richtigen Fragen. Der Vizebürgermeister telefonierte schon während unseres Gesprächs mit seinem Amtskollegen, in dessen Amtsbereich das Tötungslager Campina fällt und stellt für uns den Kontakt her. So werden wir das Tötungslager nun in Begleitung des zuständigen Vizebürgermeisters besuchen.

Wir haben kein Interesse, dort nur Elend anzusehen, wir wollen auch Erkenntnisse gewinnen. Dazu müssen wir uns kennenlernen und Gespräche führen. Was daraus wird, vermag keine von uns zu sagen.

Sunny fühlt sich sehr wohl in ihrem Zuhause.Sunny fühlt sich sehr wohl in ihrem Zuhause.

Zum Ende des Gesprächs überreichte ich Fotos von Sunny in ihrem neuen Leben bei ihren wunderbaren Adoptanten und bedankte mich, dass Sunny nach vielen Jahren im Lager durch die Unterstützung von Direktor Sandu – auch gegen den zunächst bekundeten Willen ihrer ehemaligen, leider einflussreichen Halterin – ausreisen durfte. Direktor Sandu wollte die Bilder gerne behalten. Nach dem Treffen mit Direktor Sandu werden wir uns am Mittag in das Tötungslager Campina aufmachen.

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